Ersatzrad oder Lenkrad

Corrie ten Boom, die niederländische Christin und Judenretterin, stellte die kritische Frage, ob das Gebet Ersatzrad oder Lenkrad im Leben ist. Was für eine spannende Frage! Ohne langes Nachdenken merke ich, dass das Gebet bei mir oft nur Notgroschen oder Notnagel ist – Ersatzrad eben. Da spreche ich noch schnell ein Gebet, bevor ich die Zahnarztpraxis betrete, denn: aufgrund meiner Angst hilft nur noch himmlischer Beistand. Ansonsten komme ich auch gut ohne Gebet über die Runden.

Not lehrt Beten, weiß der Volksmund aus Erfahrung zu berichten. Und ich erlebe in meinem Umfeld, dass Menschen anfangen zu beten, wenn die Diagnose Krebs oder Burn Out lautet und sie nicht mehr weiter wissen. Das Gebet ist Ersatzrad, wenn das Fazit lautet: jetzt hilft nur noch Beten. Das Ersatzrad hole ich hervor, wenn die Panne mich am entspannten Weiterfahren auf der Lebensautobahn hindert.

Ist das Gebet dagegen Lenkrad, dann klingt das nach zielorientierter Führung und Gestaltung. Ich bin nicht alleine unterwegs. An meiner Lebensreise lasse ich Gott Anteil nehmen und an Kreuzungen gebe ich ihm das Steuer komplett in die Hand. Er zwängt sich mir nicht auf und reißt das Steuer auch nicht an sich. Meine Erfahrung ist: es lohnt sich, wenn ich ihm das Lenkrad überlasse. Dies geschieht im Dialog, nicht als feindliche Übernahme. Gott, der meine Nähe sucht, will lenkend eingreifen bevor ich wieder einen Platten habe und die Luft komplett raus ist.

Ersatz- oder Lenkrad? Ich wünsche mir und allen Lesern, dass das Gebet, das Gespräch mit Gott, zum täglichen Dialog wird. Unverzichtbar. Nicht nur, wenn die Hütte brennt, sondern als Austausch mit dem Höchsten. Denn: was dich bewegt, bewegt auch Gott.

Bleiben Sie gesund und behütet.

Ihr Pastor Burkhard Heupel
Emmaus-Gemeinde