16.09.2021

Wunde-r

Wie schnell sich ein Wort verändern kann, wenn man nur einen Buchstaben hinzufügt oder weglässt: Aus Wunde wird Wunder. Manch einer wünscht sich ein Wunder für seine Wunden. Im Bekanntenkreis gibt es gerade einige Menschen, die an Wunden leiden: für den einen kam die Krebsdiagnose überraschend, für die andere bahnte sich das Burnout schon länger an, für den dritten ist das traumatische Erlebnis vor vielen Jahre noch immer lebendig und zehrt an den psychischen Kräften. Alle Wunden hoffen auf ein Wunder, auf das Wunder der Heilung.

Wunden – das kann eine Schramme sein. Auf einem Aufkleber las ich: Dass da jemand ist, der uns ein Pflaster reicht, ist oft viel wichtiger, als das Pflaster selbst. Das zu lesen, das tut mir schon gut.

Vielleicht ist das Pflaster gar nicht wortwörtlich gemeint. Wer Zeiten der Krankheit erlebt freut sich über einen schriftlichen Gruß oder Blumen, vielleicht eine Tafel Schokolade oder ein Anruf, auch eine Einladung zum Essen und das Angebot Zeit miteinander zu verbringen, können helfen, dass der Genesungsprozess voranschreitet.

Als Familie lebten wir einige Jahre in Papua-Neuguinea und erlebten mehrere Überfälle. Äußerlich war bis auf eine Schnittwunde nichts passiert. Aber innerlich waren wir sehr verletzt: Eine posttraumatische Belastungsstörung war die Folge.

Wunden – das können auch Verletzungen sein, die tiefer liegen. Wunden, die tief innen auf Heilung warten. Auf Wiedergutmachung. Oder Vergebung. Auf wahrgenommen werden. Oder: Sag doch was - die intensive Bitte nach Anerkennung oder Aussprache.

Wunden können meine Seele betreffen. Anfassen kann man die Seele nicht – aber berühren. Und verletzen. Manchmal ist es die Seele, die heil werden muss, damit der ganze Mensch heil werden kann. Wunden warten auf Wunder. Auf Heilungswunder.

Wer darf deine Seele berühren? Ich bin davon überzeugt, dass Gott die tiefsten Tiefen meiner Persönlichkeit berühren kann, wie sonst niemand. Oft zeigt er Abläufe und Zusammenhänge im Denken und Handeln auf. Manchmal ist Korrektur angesagt und ein anderes Mal Akzeptanz. Oder er schenkt Heilung und Trost.

Wer sich in die Nähe Gottes begibt kann erleben, wie Gott die Seele berührt. Jesus Christus ist der Heiland. Er will spürbar berühren. Das ist mehr als ein Trostpflaster oder heile, heile Gänschen. Wer darf deine Seele berühren?

Bleiben Sie gesund und behütet.

Ihr Pastor Burkhard Heupel
Emmaus-Gemeinde

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