Du musst lauter reden
, lautet die freundliche Ermutigung einer Gottesdienstbesucherin,
ältere Menschen verstehen dich schlecht.
Umgehend fügt sie an: Ich habe Hörgeräte, mich betrifft es nicht.
Etwas verwundert verweise ich auf die Tontechnik, die die Lautstärke regelt.
Alternativ kann der Sitzplatz von der letzten in die erste Reihe verlegt werden.
Oder: Spezielle Kopfhörer zu Beginn des Gottesdienstes ausleihen, die individuell das Hörvermögen fördern.
Schwerhörigkeit ist nicht nur ein Problem am Sonntagvormittag, sondern auch im Alltag.
Oft müssen Angehörige sehr laut sprechen, manchmal ganze Sätze wiederholen, damit ihr Anliegen verstanden wird.
Es stellt sich die Frage: Warum besorgen sich Menschen keine Hörgeräte und nerven lieber ihre Mitmenschen?
Zu stolz?
Zu aufwändig?
Zu kostspielig?
Wer sich hingegen ein Hörgerät besorgt, stellt fest, dass es die soziale Teilnahme fördert, Stress bei Unterhaltungen reduziert und das Selbstbewusstsein stärkt. Beziehungen zu Freunden und Familie werden gefestigt und die geistige Fitness gefördert.
Du musst lauter reden, Gott
, klagen Menschen manchmal, ich verstehe dich nicht!
Vielleicht brauchen Menschen auch Hör-Geräte, um Gottes Stimme zu vernehmen.
Oder wollen sie Gott gar nicht verstehen, egal, wie laut oder leise er redet?
Weil Gottes Reden den Finger auf pikante Stellen im Leben legt?
Und wenn Gott dann mit der Faust auf den Tisch haut, weil er sich schon Fransen an den Mund geredet hat, dann ist der Zeitgenosse sichtlich verwundert.
Oft lautet die verdutzte Antwort: Gott hätte sich ja auch mal zu Wort melden können.
Hat er, wir haben es nur nicht hören wollen.
Um Gott zu hören, braucht es besondere Hör-Geräte: Zeit und Ruhe sind beliebte Momente, in denen Gott redet.
Manchmal auch durch Menschen oder Träume.
Es kann auch das Gewissen sein.
Auf jeden Fall macht er sich gerne bemerkbar.
Warum hören Menschen so wenig auf ihn?
Zu stolz?
Zu aufwändig?
Zu kostspielig?
Schwerhörigkeit im Hinblick auf das Reden Gottes – das Problem liegt beim Menschen, nicht bei Gott. Er redet – wir lassen ihn nur selten zu Wort kommen. Es fehlt an Verlangen und Vertrauen. Oder wir haben falsche Erwartungen. Meist sind Sorgen, Selbstsicherheit und fehlende Stille Ursachen für die geistliche Schwerhörigkeit.
Ich wünsche Ihnen ein offenes Ohr für Gottes Wort und Reden. Nichts berührt mehr, wie ein Wort aus der Ewigkeit.
Bleiben Sie gesund und behütet.
Pastor Burkhard Heupel
Emmaus-Gemeinde