Über meine gerissene Saite im Spinett habe ich an dieser Stelle schon berichtet. Nicht erwähnt habe ich, dass die Firma, die mir die neue Saite verkaufen wollte, mich darum bat, ihnen von der gerissenen alten Saite vorab ein Stück zuzusenden.
Nun, das sollte kein Problem sein. Dachte ich. Die alte Saite gesucht, nicht genau hingeschaut, zugeschickt, prompt kam der Anruf: Ich hätte einen Bindfaden zugeschickt. Oh Schreck! Wo war noch gleich das berühmte Mauseloch? In solchen Momenten kann einem kurzzeitig der Gedanke kommen, ob man denn zu gar nichts zu gebrauchen ist. Naja, es gibt Schlimmeres. Wenn ich zum Beispiel den Bindfaden als Saite verwendet hätte und mich dann über den Klang wundern würde.
Kennen Sie solche Augenblicke? Wo ist das Mauseloch, in dem man mal eben verschwinden kann. In solchen Momenten geht es um Scham, menschliche Schwächen und das Bedürfnis nach Rückzug.
Als Mensch bin ich manchmal überfordert.
Es kommt zum Konflikt zwischen meiner Innen- und Außenwelt.
Was sollen denn die Leute denken?
, ist ein gängiger innerer Glaubenssatz
, der Scham auslöst.
Das Mauseloch scheint die einzige Lösung zu sein.
Gut, dass ich mich vor Gott nicht verstecken muss.
Im Gegensatz zu Adam und Eva:
Nach dem Sündenfall, dem Essen der verbotenen Frucht (1.Mo.3) fragt Gott:
Mensch, wo bist du?
Selbst dann, wenn ich mir an den Kopf fasse und mich am liebsten verkriechen möchte: Gott fragt nach mir.
Sucht den Kontakt.
Die Begegnung.
Natürlich weiß er, wo wir sind und was wir tun.
Wir können uns nicht vor Gott verstecken.
Gott stellt die Frage, damit wir uns mit unserem Tun und unserer Situation auseinandersetzen.
Krieche ich irgendwann aus meinem Mauseloch hervor, suche ich zunächst das Gespräch mit ihm. Meistens zumindest. Er versteht meine Gefühle am besten. Erst danach gehe ich wieder unter die Leute. Gott schenkt mir Würde, statt Schmach. Bei ihm bin ich angenommen, selbst dann, wenn ich mich selbst nicht annehmen kann. Das, was mich ins Mauseloch gebracht hat, wird ans Licht gebracht. Durch das An- und Aussprechen verliert die Scham ihre Macht. Ich verlasse die Dunkelheit und komme an, im Licht Gottes. Oft sind es auch Menschen, die mir helfen, das Mauseloch zu verlassen.
Gebet: Guter Gott, manchmal schäme ich mich für das, was ich getan habe.
Am liebsten möchte ich mich vor dir und der Welt verstecken.
Danke, dass du mich nicht in meinem Mauseloch übersiehst.
Und mich nicht bloßstellst.
Danke für deine Hilfe und den Schritt ins Freie.
Gib mir den Mut, befreit zurück ins Leben zu kommen.
Amen.
Bleiben Sie gesund und behütet.
Pastor Burkhard Heupel
Emmaus-Gemeinde