Das Wort zum Donnerstag

Das Wort zum Donnerstag

16.07.2026

Karma?

Wieso widerfährt mir so viel Schlechtes, klagt eine Person unter Tränen. Ich habe doch so viel Gutes getan. Warum pausiert mein Alltagskarma? Es scheint, dass solche Redewendungen vermehrt zu hören sind. Ein neuer Trendbegriff für die alte Frage: Womit habe ich das verdient?

Der Begriff Karma wird gerne für die Hoffnung verwendet, dass sich alles im Leben ausgleicht: Gutes bringt Gutes, Schlechtes rächt sich.

In den indischen Religionen beschreibt Karma das unerbittliche Gesetz von Ursache und Wirkung, auch über dieses Leben hinaus. Jede Tat bestimmt das eigene Schicksal und die Qualität im nächsten Leben. Praktisch umgesetzt hat diese Philosophie sehr viel Leid verursacht. Jahrhundertelang glaubten Menschen aufgrund von Karma, dass Arme, Kranke und Unterdrückte selbst an ihrem Schicksal schuld sind. Die müssen etwas sehr Schlimmes getan haben, das wurde mit Verachtung und Härte gestraft. Mahatma Gandhi und Mutter Teresa setzen sich leidenschaftlich gegen dieses System und für die Würde jedes Lebewesens ein.

Der christliche Glaube unterscheidet sich hier grundlegend vom indischen Denken. Linear verläuft das Leben, ist nicht eingebunden in einen Kreislauf von Tod und Wiedergeburt.

Nun, das nächste Leben blenden viele Zeitgenossen aus, denn mit dem Tod sei sowieso Schluss, damit bleibt der Karma-Gedanken im Diesseits.

Dass mein Tun Folgen hat, und zum Beispiel der Strafzettel folgt, wenn ich bei Rot über die Ampel fahre, ist klar. Doch auch in unserem Kulturkreis glauben nicht wenige, dass eine höhere Macht dafür zuständig ist, Gutes mit Gutem und Schlechtes mit Schlechtem zu vergelten. Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort ist die augenzwinkernde Alltagsvariante – das war die Strafe Gottes der manchmal heimliche Gedanke, wenn einer zweifelhaft erscheinenden Person Schlimmes widerfährt. Jesus selbst erteilt dieser Haltung eine Absage. Wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren wurde? fragen seine Jünger. Weder noch, antwortet Jesus (Joh.9,2-3).

Dem Karma-Gedanken wird das Prinzip der Gnade entgegengesetzt. Gnade heißt Wohlwollen, Gunst, Fürsorge. Unverdiente Liebe, wie zwischen Menschenkind und -eltern. Ich kann mich durch gute Werke nicht selbst erlösen und muss es auch nicht. Aus seinem In-Beziehung-Sein mit Gott durch Jesus entspringt Erkenntnis, Vergebung und Neuanfang. Was ich Gutes tue, tue ich aus Liebe, nicht aus Angst.

Gott führt kein himmlisches Punktekonto, das durch gute Taten mühsam im Plus gehalten werden muss. Und in der Pechsträhne oder im Schicksalsschlag darf ich in der Nähe Gottes Trost und Zuversicht schöpfen. Was für eine radikale Entlastung.

Bleiben Sie gesund und behütet.

Julia Arbeiter und Burkhard Heupel
Emmaus-Gemeinde

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