Es war die nette Bahn-Mitarbeiterin am Bahnhof in Mannheim, die sich telefonisch erkundigte, ob alles geklappt habe, nachdem ich meinen Rucksack beim Umstieg von einem ICE in den nächsten ICE vergessen hatte, und dieser erst in Fulda den Weg zurück zum Frankfurter Flughafen nehmen konnte, von dem aus ich nach Sao Paulo fliegen wollte. Ja, dank ihrer Hilfe hatte alles reibungslos funktioniert! Jetzt saß ich im Flieger, war außer Atem, und glücklich, und wieder im Besitz von meinem Rucksack, in dem sich Portemonnaie, PC und Pass befanden. Gänsehaut pur! Die telefonische Nachfrage wäre dienstlich nicht nötig gewesen. Die Mitarbeiterin erkundigte sich, über das dienstliche Muss hinaus, ob alles gut gegangen war.
Es war der sympathische Telekom-Mitarbeiter kürzlich, der abends spät, längst nach Dienstschluss, anrief und noch einen Tipp hatte, wie die Hardware beim Anbieterwechsel aktiviert werden könnte, damit alles reibungslos funktioniert. Nach einem stressigen und heißen Tag: eine freundliche Geste – seinen dienstlichen Verpflichtungen war er bereits nachmittags nachgekommen.
Es war der freundliche Autofahrer im Outback in Australien, der mich mitnahm bis zur nächsten Tankstelle – und mich mit gefülltem Ersatzkanister zurück zum Wohnmobil brachte, nachdem ich aufgrund einer Unachtsamkeit trocken gefahren hatte. Diese Extra-Meilen hätte er nicht fahren müssen – hat er aber.
Er hatte mir seinen nagelneuen BMW zur Verfügung gestellt, als ich in Babenhausen auf Wohnungssuche war, und nur wenige Stunden vor Ort sein konnte, und aufgrund der Kürze der Zeit nur mit dem Auto die Objekte abfahren und besichtigen konnte. Oft habe ich mich gefragt, ob ich mein Fahrzeug auch selbstlos zur Verfügung gestellt hätte.
Ich kannte diese Menschen nicht näher und es sind noch viel mehr, die mir im Laufe des Lebens etwas Gutes taten,
obwohl wir uns nicht kannten bzw. keine Verpflichtung für diese Extra-Meile vorlag.
Sie taten es – einfach so.
Jesus ermutigt in der Bergpredigt (Mt.5,41),
eine zweite Meile mitzugehen, wenn wir gebeten werden, eine Meile mitzugehen.
Ob die freundlichen Zeitgenossen dies zum Vorbild hatten, weiß ich nicht.
Alle hätte ich als Mitarbeiter des Monats
vorgeschlagen, wäre dies möglich gewesen.
Es sind Menschen und Begegnungen gewesen, die nicht ich, mir, meiner, mich
als Lebensmotto wählen, sondern helfen,
über das übliche Maß hinaus, und signalisieren: Mich interessiert, ob in deinem Leben alles gut funktioniert hat!
Ich bin jetzt noch beeindruckt! Freiwillig mehr tun als gefordert. Davon lebt eine Gesellschaft. Ob sich Menschen auch an mich erinnern und eine solche Geschichte erzählen können? Oder an Sie?
Bleiben Sie gesund und behütet.
Pastor Burkhard Heupel
Emmaus-Gemeinde