Das Wort zum Donnerstag

Das Wort zum Donnerstag

30.07.2026

Meine Kürbispflanze

Nachdem im letzten Jahr das Projekt Kürbis aus dem eigenen Garten mit nur einem kleinen brauchbaren Exemplar endete, starte ich dieses Jahr einen neuen Versuch. Aus Fehlern lernt man, sagt der Volksmund. Also: Neuer Standort, mehr Wasser, mehr Aufmerksamkeit...

Dank meinem Neffen bekommt die kleine Pflanze im Hochbeet auch ausreichend Feuchtigkeit, während ich verreist bin. Anschließend übernimmt die automatische Bewässerung diese Aufgabe. Und siehe da: aus kleinen Anfängen wächst die Pflanze.

Bereits im Frühjahr wurde der flache unscheinbare Kürbissamen in die Erde gelegt. In dieser kleinen Hülle steckt ein gewaltiges Versprechen. Nach wenigen Tagen bahnt sich ein zartes, hellgrünes Pflänzchen den Weg durch die Erde ans Licht – zerbrechlich und schutzbedürftig.

Kürbispflanze - 3 verschiedene Wachstumsphasen

Mit einer erstaunlichen Kraft breitet er seine Ranken aus, erobert meterweit den Garten und bringt schließlich Früchte hervor, die so groß und schwer sind, dass man sie kaum tragen kann. Zumindest ist dies das Ziel, von dem ich träume.

Nun, Bäume wachsen nicht in den Himmel und Kürbisse auch nicht. In Gartenforen wird mir geraten mich auf 4-6 Kürbisse pro Pflanze zu beschränken. Das fällt mir nicht leicht. Den Rat befolge ich trotzdem. Um auf Nummer sicher zu gehen, wird das Vorhaben Kürbis noch um eine Olla ergänzt: eingegrabene mit Wasser gefüllte Tontöpfe, die kontinuierlich davon während meiner Abwesenheit abgeben.

Aus dem minimalen Anfang, einem kleinen Samenkorn, wird ein echtes Naturwunder. Ich staune! Das Wachstum der Pflanze ist für mich ein wunderbares Bild für das Leben und den Glauben: Manchmal habe ich große Träume, fühle mich selbst klein und schwach. Ob meine Kräfte reichen? Ob mein Lebensumfeld wohlwollend seinen Beitrag für das Vorhaben leistet? Darauf kommt es auch beim Kürbis an, dass Erde, Sonne und Regen ihr Übriges dazu tun.

Hin und wieder frage ich mich, ob im Alltag die Geste der Freundlichkeit etwas bringt oder das kurze Gebet. Die Kürbispflanze erinnert mich an Gottes Prinzipien: Er liebt die kleinen Anfänge. Das Reich Gottes und seine Wirkung im Leben beginnen selten mit einem Paukenschlag, sondern meist mit einem Samenkorn – still, verborgen und tief in der Erde. Ich bin eingeladen Vertrauen zu säen, dann ein wenig gärtnern, geduldig sein und bald werden erste Früchte sichtbar. Wachstum, Kraft zur Entfaltung und Reife schenkt Gott.

Ich will die kleinen, freundlichen, manchmal nur unscheinbaren Gesten im Alltag nicht unterschätzen. In ihnen liegt die Möglichkeit zur Vielfalt. Erst recht im Gebet. Vielleicht ist morgen schon etwas daraus gewachsen.

Bleiben Sie gesund und behütet.

Pastor Burkhard Heupel
Emmaus-Gemeinde

→ zum Archiv→ Home